Projekt "Spurensuche" - Vimperk/Winterberg 2019

Veröffentlicht am 03.04.2019 in Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz

Empfang im Sitzungssaal des 1908 neu erbauten Rathauses, in dem auch der erste Bürgermeister Winterbergs in der neuen tschechoslowakischen Republik, der deutsche Sozialdemokrat Wilhelm Fritsch von 1919 bis 1923 residierte. Mit dabei: Bürgermeisterin Jarka Martanova (6.v.l.), Regionalgruppen-Vorsitzende und Staatssekretärin Rita Hagl-Kehl (6.v.re.), SG-Landesvorsitzender Bruno-Andreas Dengel (5.v.re.) und Exkursionsbegleiter Roman Hajnik (li.) sowie Mitglieder der Seliger Gemeinde Regionalgruppe Ndb./Opf.

 

Empfang der Seliger Gemeinde im Rathaus von Winterberg/ Vimperk

Die Region wächst wieder zusammen – Warten auf das „Erwachen der Winterburg“

Bürgermeisterin Jaroslava Martanova*, Jahrgang 1962 und seit 2018 Oberhaupt der Stadt Vimperk/Winterberg, empfing die Exkursionsteilnehmer der Seliger Gemeinde Regionalgruppe Ndb./Opf. anlässlich ihrer „Spurensuche“ vom 29. bis 31.3.2019 im Sitzungssaal des Winterberger Rathauses. Wie die Besucher erfuhren, hat die 7400 Einwohner zählende Stadt mit ihren 14 Eingemeindungen, 2 Grundschulen, zwei Kindergärten, ein (Sport-)Gymnasium sowie eine Berufsfachschule für Wirtschaft. Die Stadtvertretung besteht aus 17 Personen (davon 5 Stadträte) aus sieben Fraktionen, die nicht nur von politischen Parteien sondern auch von lokalen Wählergruppen gebildet werden. Der Stadthaushalt beträgt 200 Mio. Kronen und wird aus Steuern Gebühren und Subventionen finanziert. Seit 1990 besteht eine Schulpartnerschaft zwischen den Gymnasien Vimperk/Winterberg und Waldkirchen sowie seit 1992 eine Städte-Partnerschaft zu Freyung.

„Vimperk verändert stetig sein Gesicht. Es ist farbenfroher, freundlicher geworden. Viele Gebäude wurden privat oder von staatlicher Hand saniert. Dabei wurde darauf geachtet, dass der mittelalterliche Kern seinen Charakter behält“, beschreibt Martanova die Bemühungen der Stadt. Das Stadtoberhaupt erinnerte in ihrer Begrüßung daran, dass Vimperk/Winterberg schon immer eine deutsch-tschechische Besiedelung hatte, die über Jahrhunderte hinweg überwiegend deutschstämmig war. Sie ging auf die Entwicklung der Stadt nach der Vertreibung der Deutschen ein und berichtet, dass Vimperk ab 1948 als Garnisonsstadt bewusst eine Befestigung vor dem Eisernen Vorhang darstellten sollte. Andererseits wurde aber die Stadt nach 1946 mit Menschen aus dem Inland aber auch aus der Slowakei und Rumänien künstlich wiederbesiedelt. Mit staatliche Förderung wurde ein Industriestandort geschaffen, der aber nicht nachhaltig gewachsen war, sondern nur dazu diente, den  Besuchern aus dem Westen eine positive Entwicklung aufzeigen und die Bewohner zum Bleiben animieren sollte. 1989 sei die Stadt aber von der Realität eingeholt worden. Seitdem versuchen Stadtverwaltung und Bewohner der Stadt wieder ein positives Gesicht zu geben.

Entwicklung der Stadt nach 1946

Von den früheren traditionellen Industriebetrieben konnten sich nur eine kleine Buchdruckerei und eine kleine Glasschleiferei halten. Dafür habe man mit einer Produktionsstätte des Elektronikkonzerns Rohde &Schwarz als größtem Arbeitgeber und  dem Maschinenbauunternehmen SAK, einer Kooperation mit der Herbert Bauer GmbH & Co KG aus Obernzell/Passau eine stattliche Anzahl von neuen, interessanten Arbeitsplätzen bekommen. Diese Ansiedelungen zeigten auch die enge Zusammenarbeit zwischen Südböhmen und dem Bayerischem Wald auf. „Auf diese Weise wächst die Region wieder zusammen und die künstlich geschaffene Grenze verschwindet, zumindest was Arbeit und Handel betrifft“, so Bürgermeisterin Jaroslava Martanova. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus, so Martanova weiter. Wandern, Rad- und Wintersport bilden die Kerndisziplinen. Die Stadt betreibt mehrere Loipen, eine Eishalle und ein Fußballstadion und unterstützt viele Vereine, aus denen schon viele Europa- und Weltmeister (Langlauf, Snowboard, Mountainbike) hervorgegangen sind.

„Erwachen der Winterburg“

In Ihren weiteren Ausführungen verwies Martanova auf das kulturelle Glanzlicht der Stadt, auf das Schloss Vimperk/Winterberg, das 1991 in den Besitz der Stadt kam. Dann übernahm es das Umweltministerium und es wurde im Jahr 2010 zum Nationalkulturdenkmal erklärt. In einem vernachlässigten Zustand übernahm es im Jahr 2015 das Nationaldenkmalamt des Kultusministeriums, das mit seiner Renovierung (ca. 14 Mio. Euro vom tschechische Staat und der EU) begann. „Archäologische Untersuchung haben ergeben, dass das Schloss wertvoller als gedacht ist. Wichtige Funde aus der Renaissance lassen auf ein zweites Schloss Krumau hoffen“, so die sichtlich stolze Bürgermeisterin.

Wie die Bürgermeisterin darstellte, müsse die Stadt sich mit der Teileröffnung des Schlosses 2021 auf einen wachsenden Tourismus vorbereiten. Vimperk/Winterberg besitzt neben dem Schloss einen historischen Marktplatz mit dem Stadt-Glockenturm sowie die Kirche mit der wertvollsten gotischen Madonna in der tsch. Republik. Die vergleichbare Krummauer Madonna steht in einem Museum in Wien. So plane die Stadt den Kauf und die Restaurierung des Steinbrener-Geburtshauses – hier sollen, als Ergänzung zum Schloss, neben der Unternehmerpersönlichkeit Steinbrener weitere Stadtpersönlichkeiten (Komponisten, Maler, Opernsänger, Schriftsteller) präsentiert werden. Ziel müsse es sein, dass Besucher in Vimperk/Winterberg bleiben und nicht nur durchfahren. Einen Massentourismus wie in Český Krumlov/Krummau wolle man aber nicht. „Dies alles führt dazu, dass wieder mehr junge Leute in Vimperk/Winterberg bleiben wollen und hier neue Wurzeln ausbilden“, so die Bürgermeisterin zum Schluss ihrer Ausführungen.

„Die Mitglieder der Seliger Gemeinde haben enge persönliche Verbindung zur Region“

Für die bayerische Delegation der Seliger Gemeinde bedankte sich die Vorsitzende der Regionalgruppe Ndb.Opf., Rita Hagl-Kehl, für den netten Empfang: „Die Mitglieder der Seliger Gemeinde haben enge persönliche Verbindung zur Region sowie zur Stadt Vimperk/Winterberg“. Die Seliger Gemeinde stehe für ein gemeinsames Europa, in dem sich alle Menschen frei bewegen und grenzenlos handeln können. Ziel sei es die Völkerverständigung voran zu treiben und freundschaftliche nachbarliche Beziehungen zu fördern. Deshalb sei es nur logisch, dass sich die Regionalgruppe um vertiefte Kontakte zur den Menschen diesseits der Grenze bemühe und die Spuren der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), der Vorgängerorganisation der Seliger Gemeinde zu ergründen versucht.

Hagl-Kehl hob die positive Entwicklung der Stadt Vimperk/Winterberg heraus: „Die Stadt blüht auf und man kann das Engagement der Stadt und seiner Bürger erkennen. Wir freuen uns schon darauf, wenn das Schloss wieder eröffnet wird“. Die Staatssekretärin versprach als Mitglied der Bundesregierung und als Vertreterin des Bundes im deutsch-tschechischen Zukunftsfonds weitere Förderungen für die Region zu bewilligen. So sei erst vor wenigen Tagen eine weitere Ausschüttung zur Förderung der Restaurierung der Brantlhof-Kapelle bewilligt worden.

Ausstellung „Von der DSAP zur Seliger Gemeinde…“ angeboten

Die Vertreter der Seliger Gemeinde stellten ihr Anliegen, die Spuren der DSAP in Winterberg/Vimperk zu ergründen kurz da und übergaben den Katalog zur zweisprachigen Ausstellung „Von der DSAP zur Seliger Gemeinde…“ mit der Hoffnung diese, ergänzt mit den Ergebnissen der Spurensuche und damit einem lokalen Bezug, in den kommenden Jahren einmal in Vimperk/Winterberg zeigen zu können. Diesem Anliegen zeigte sich die Bürgermeisterin sehr aufgeschlossen.

 

*Jaroslava Martanova war bereits vom November 2014 bis Mai 2017 Bürgermeisterin von Vimperk, davor Leiterin der Abteilung für die staatliche Verwaltung des Nationalparks Šumava.

 

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