Seliger Gemeinde und Ernst und Gisela Paul-Stiftung unterstützen weiteres Buchprojekt

Veröffentlicht am 23.10.2018 in

Bei der Buchpräsentation in Prag in der Runde von links: Luboš Velek, Direktor des Masaryk-Instituts der Akademie der Wissenschaften, Peter Hofbauer, dahinter die Dolmetscherin, Harry Hofbauer, die Übersetzerin Zuzana Schwarzová, Vladimír Špidla, Direktor der Masaryk Democratic Academy, stehend Dr. Thomas Oellermann und rechts daneben Moderator Patrik Eichler.

 

Nun auch auf tschechisch: „Der große alte Mann - Ein Masaryk-Buch“ von Josef Hofbauer

 

Binnen weniger Tage konnte die Seliger Gemeinde sich über eine zweite Buch-Neuveröffentlichungen freuen. Nachdem am Wochenende in Bad Alexandersbad die deutsche Ausgabe der Jakschen Sozialreportagen unter dem Titel „Verlorene Dörfer, verlassene Menschen…“ präsentiert wurde, fand am Montag, den 22. Oktober 2018 um 18 Uhr im Literarischen Café Academia in Prag die Präsentation der ersten tschechischen Ausgabe des Masaryk-Buches von Josef Hofbauer statt.

 

 

„Der große alte Mann - Ein Masaryk-Buch“ von Josef Hofbauer erschien ursprünglich und in deutsch 1938 im Verlag Bratislava, Eugen Prager, gedruckt bei Graphia in Karlsbad. Das Buch wurde nun in Zusammenarbeit mit der Masaryk Democratic Academy, dem Burian und Tichak Verlag, dem Masaryk Institut und dem Archiv der ASCR, der Masaryk Demokratischen Bewegung, der Seliger Gemeinde, dem Tomas Garrigue Masaryk Institut und der Ernst und Gisela Paul-Stiftung in tschechischer Übersetzung von Zuzana Schwarzová veröffentlicht.

Ein Vorwort von Vladimír Špidla, dem Direktor der Masaryk Democratic Academy unterstreicht die Bedeutung des Werkes. Bei der Präsentation waren auch Dr. Thomas Oellermann für die Seliger Gemeinde und die Brüder Harry und Peter Hofbauer, die Enkel des Autors Josef Hofbauer, dabei.

 

Mit dem Buch von 1938 beschreibt Josef Hofbauer, ein überzeugter Sozialdemokrat, Leben und Arbeit von Tomáš Masaryk und porträtiert eine Republik, die den Bürgern deutscher Nationalität dieselben Möglichkeiten bietet wie den Tschechoslowaken. Die Loyalität der sudetendeutschen Sozialdemokraten zur Tschechoslowakischen Republik und besonders zu ihrem ersten Präsidenten wird dabei deutlich herausgearbeitet. 1938, als sich die Mehrheit der Sudetendeutschen von der Tschechoslowakischen Republik und Masaryk abwandet, ist Hofbauers Buch einer der letzten Versuche DSAP, ihre Landsleute für die Republik zu gewinnen und sie und das Sudetenland aus Hitlers Einfluss zu befreien.

Tomáš Masaryk, geboren am 7.3.1850 in Göding/Hodonín in Mähren, war der Sohn eines Kutschers slowakischer und einer Köchin deutscher Abstammung. Er erlernte das Schmiedehandwerk. Aber nach dem Besuch der Gymnasiums in Brünn und Wien studierte er an der Universität Wien ab 1872 klassische und moderne Sprachen, wandte sich aber schon 1873 ganz der Philosophie zu, worin er 1876 promovierte. 1879 habilitierte sich Masaryk an der Universität Wien für Philosophie und wurde 1882 Professor der Philosophie und Soziologie an der neugegründeten Tschechischen Universität in Prag. Ab 1878 vermählt mit der Amerikanerin Ch. Garrigue, zeigte sich Masaryk westlichen Strömungen in Soziologie  und Politik sehr aufgeschlossen, die Verwirklichung der Demokratie erschien ihm als ethische und politische Aufgabe. Gegen das Nachwirken romantischer Strömungen im Tschechentum nahm er offen Stellung. 1891 wurde er als Vertreter der Jungtschechen in den Reichsrat und in den böhmischen Landtag gewählt, legte aber 1893 sein Mandat nieder. Erst 1907 kehrte er als Mitglied der Realistenpartei in das Abgeordnetenhaus zurück. Masaryk widmete sich neben seiner Lehrtätigkeit der staatspolitischen Erziehung der Tschechen, für die er eine nationale Wiedergeburt anstrebte. Auch sonst griff er in Wort und Schrift vielfach Fragen des öffentlichen Lebens und Fragen der Außenpolitik auf. Dem Panslawismus und auch dem Marxismus stand er im Grunde ablehnend gegenüber, 1880 trat er vom Katholizismus zum Protestantismus über und nahm schließlich eine freireligiöse Haltung ein. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, dessen Ausgang er vorausgesehen hatte, stellte er sich, zum Unterschied von Kramář, ganz auf eine westliche Orientierung ein, ging deshalb in die Emigration nach England und in die USA und arbeitete dort an der Vorbereitung einer nationalen Revolution der Tschechen, die im Rahmen einer demokratischen Neugestaltung Europas erfolgen sollte. Es gelang ihm dabei, die Slowaken für den Gedanken eines gemeinsamen tschechoslowakischen Staates zu gewinnen, der aus den Trümmern der Österreichisch-ungarischen Monarchie aufgebaut werden sollte. Trotzdem arbeitete Masaryk auch an der Aufstellung der tschechischen Legionen in Russland mit, kehrte aber bald wieder in den Westen zurück. Durch Einwirkung auf Präsident Wilson erreichte Masaryk 1918 die Anerkennung einer tschechoslowakischen Exilregierung, an deren Spitze er trat. Nach Kriegsende kehrte er als „Befreier- Präsident“ nach Prag zurück, wo er 1918, 1920, 1927 und 1934 zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.

 

Am 28. Oktober 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik gegründet. Dieser Staat ist auf den Trümmern der Donaumonarchie entstanden. Obwohl es auch andere Modelle gab, setzte sich schließlich Masaryks Konzeption der „historischen Grenzen“ durch. Diese Konzeption hatte zur Folge, dass es im Staat eine große deutsche Minderheit geben sollte. Beneš befürwortete eine andere Grenzziehung, sein Konzept verzichtete auf einige von Deutschen besiedelte Gebiete und respektierte die „historischen Grenzen“ nicht. So verblieben über 3 Millionen Deutsche auf dem Gebiet des Tschechoslowakischen Nationalstaates. Diese Tatsache sollte sich später in der Politik der 1. Tschechoslowakischen Republik wiederspiegeln. Präsident Masaryk forderte die deutschen Parteien bereits 1921 auf, sich an der Regierung zu beteiligen. Nach der Regierungsbeteiligung unter Cech haben sich die DSAP und auch Jaksch schon vor der Wahl 1935, angesichts der Tatsache, dass die ČSR von undemokratisch regierten Staaten umgegeben war, für ein absolut positives Verhältnis zur Republik entschieden. Selbst Jaksch hat gestanden, dass nach dem 30. Januar 1933 die politischen Möglichkeiten der DSAP eingeschränkt waren und so ging auch er bedingt zum defensiven Kurs der Partei über. Jaksch lobte die letzte Wiederwahl Masaryks zum Präsidenten und drückte das positive Verhältnis zur Republik aus, indem er sie als die „letzte demokratische Insel im Meer des mitteleuropäischen Faschismus“ beschrieb. Die DSAP hat bis 1938 darauf verzichtet, die Kulturautonomie oder Selbstverwaltung für die Sudetendeutschen zu fordern, und Jaksch erklärte, dass die Partei „keine Schulautonomie für Hakenkreuzlehrer“ wolle.

 

1935 legte Masaryk sein Amt aus Altersgründen nieder. In seiner Person, dem Philosophen, Soziologen und Staatsmann war die tschechoslowakische Staatsideologie der Zwischenkriegszeit verkörpert. Tomáš Masaryk starb am 14.9.1937 auf Schloss Lana bei Prag.

 

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